Drei Use Cases, drei Sprintgruppen, ein gemeinsames Ziel: Das Reallabor-Team testet KI-Anwendungen für den Jobcenter-Alltag und macht die Ergebnisse für kommunale Verwaltungen über das Projekt hinaus nutzbar.
Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz im Jobcenter nicht nur diskutiert, sondern tatsächlich ausprobiert wird? Genau das hat am 16. Juni 2026 im neuen KI-Reallabor begonnen: einem Testraum, in dem Mitarbeitende aus den teilnehmenden Jobcentern gemeinsam herausfinden, wo KI im Verwaltungsalltag wirklich hilft und wo nicht. Der Standort ist Heppenheim, bei "Neue Wege" Kreis Bergstraße. Die Technik steht, die Arbeitsplätze sind eingerichtet, und das Reallabor-Team ist zum ersten Mal vor Ort zusammengekommen.
Grundlage dafür war die KI-Potenzialanalyse, die vorab gezeigt hatte, wo KI im Jobcenter-Alltag am meisten bewirken könnte. Aus den vielversprechendsten Ergebnissen hat sich das Reallabor-Team beim Kickoff für drei erste Fälle entschieden, sich in kleine Gruppen aufgeteilt und direkt losgelegt. Mittlerweile laufen die ersten Sprints: kurze, klar abgegrenzte Testphasen, in denen jede Gruppe eine Anwendung im echten Arbeitsalltag ausprobiert.

Ausgangspunkt war das Use-Case-Backlog aus der KI-Potenzialanalyse. Jede Idee darin wurde anhand von fünf Kriterien bewertet: Wie standardisierbar ist die Aufgabe? Wie strukturiert sind die zugrunde liegenden Daten? Wie gut lässt sie sich aufandere Jobcenter übertragen? Wie hoch ist das Risiko bei Fehlern? Und wie groß wäre der wirtschaftliche Nutzen? Diese Bewertung hatte das Projektteam bereits im Vorfeld vorgenommen. Beim Kickoff hat es die vielversprechendsten Kandidaten vorgestellt, und das Reallabor-Team hat entschieden, mit welchen es starten will: Jede Person durfte zwei Punkte vergeben, einen für die persönliche Priorität eins, einen für Priorität zwei.
Drei Use Cases haben die meisten Stimmen bekommen und bilden jetzt die erste Sprintrunde: die Prüfung auf Vollständigkeit eingereichter Unterlagen, ein interner Fachchatbot für komplexe fachliche Einzelfragen und eine Assistenz für die strukturierte Fallübergabe zwischen Vermittlung und Leistung. Für jeden Fall hat sich direkt vor Ort eine eigene Gruppe gebildet, drei bis fünf Personen pro Team.
Am 3. Juli kam das Reallabor-Team noch einmal zusammen, um offene Fragen aus den ersten Sprintwochen zu klären. Seitdem laufen alle drei Gruppen auf vollen Touren.
„Ich liebe Termine. Vor allem das zischende Geräusch, wenn sie vorbeifliegen“, hat Douglas Adams einmal gesagt, und beim Kickoff diente der Satz als Aufhänger für eine wichtige Entscheidung: Das Reallabor arbeitet nicht auf einen großen Abgabetermin hin, sondern in kurzen, überschaubaren Zyklen.
Der Grund dafür ist pragmatisch. KI-Werkzeuge entwickeln sich schneller, als ein klassischer Projektplan reifen kann. Was im Jobcenter-Alltag wirklich funktioniert, zeigt sich in der Praxis und nicht am Reißbrett. Kurze Zyklen halten den Aufwand überschaubar, bis der Nutzen erwiesen ist, und sie senkendas Risiko teurer Fehlentscheidungen.
Konkret heißt das: Jede Gruppe zieht sich einen Use Case aus dem Backlog und arbeitet zwei bis vier Wochen daran. Getestet wird an echten, anonymisierten Fällen. Am Ende steht eine Bewertung entlang fester Kriterien, ein Laborbericht und eine gemeinsame Retrospektive, bevor die Gruppemit dem nächsten Fall von vorn beginnt. Die Rollen sind klar verteilt: Die KI-Reallabor-Owner pflegen das Backlog und behalten den Überblick, die Sprecher der einzelnen Gruppen koordinieren die Zusammenarbeit, und die Gruppen selbst entscheiden eigenständig, wie sie zum Ergebnis kommen. Ausgetauscht wird laufend über Stackfield, wo das Reallabor-Team einen eigenen Arbeitsraum hat.
Getestet wird zwar in Heppenheim, gedacht sind die Ergebnisse aber für alle Jobcenter und andere kommunale Verwaltungen. Am Ende jedes Sprints steht ein Laborbericht mit einer klaren Empfehlung: lohnt sich der Einsatz eines getesteten Tools auch anderswo, oder eben nicht.
Die ersten Laborberichte zu den drei Use Cases entstehen in den kommenden Wochen.
Relevante Ergebnisse werden aufbereitet und auf der Projektwebseite veröffentlicht, damit auch andere Jobcenter und kommunale Verwaltungen sehen, was sich für die eigene Organisation lohnen könnte. Im September kommt außerdem das gesamte Reallabor-Team wieder zusammen, dann stellen die Gruppen ihre Ergebnisse im großen Kreis vor. Wir berichten hier weiter, sobald die ersten Laborberichte stehen.